Wasserqualitätsbericht Stuttgart

Erstellt von dirconi
Für Bauträger, Projektentwickler und Eigentümer
Alle Daten basieren auf offiziell veröffentlichten Quellen

1. Zusammenfassung

Das Stuttgarter Leitungswasser entspricht den gesetzlichen Anforderungen der deutschen Trinkwasserverordnung. Stuttgart bezieht sein Trinkwasser aus zwei unterschiedlichen Quellen: Bodensee-Fernwasser (Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung, ~9°dH) und regionalem Grundwasser aus dem Donauried (~13°dH). Je nach Stadtgebiet und Jahreszeit können die Werte variieren.

Das zentrale Thema für Stuttgarter Wohnprojekte ist der Kalkgehalt — kombiniert mit dem stadtweiten Chloreinsatz zur Desinfektion des Fernwassers. Als Standort international führender Unternehmen hat Stuttgart besonders anspruchsvolle Bewohner.

Kernaussage: Stuttgarts Wasser stammt aus zwei Quellen mit unterschiedlichen Eigenschaften — Kalk und Chlor sind im Alltag der Bewohner täglich präsent.

2. Wasserversorgung Stuttgart

Versorger

Wasserquellen

QuelleBewertung
Bodensee-Fernwasser (BWV) Mittel hartes Seewasser, aufbereitet, stadtweiter Chloreinsatz zur Desinfektion bestätigt
Donauried-Grundwasser (LW) Härteres Regionalgrundwasser

Lieferanteile

3. Wasserhärte

QuelleWertEinordnung
Bodensee-Fernwasser (BWV)~9 °dHMittelhartes Wasser
Donauried-Grundwasser (LW)~13 °dHHart
Stuttgarter Durchschnitt9–13 °dHJe nach Stadtgebiet und Versorgungsanteil

Die Wasserhärte in Stuttgart variiert je nach Stadtgebiet zwischen 9 °dH (Bodensee-Fernwasser) und 13 °dH (Landeswasser). Das entspricht dem Härtebereich "mittel" bis "hart" nach deutscher Klassifikation. In Gebieten mit höherem Landeswasseranteil können Kalkablagerungen an Armaturen und Haushaltsgeräten stärker auftreten.

Entfernung: Umkehrosmose oder Ionentauscher. Umkehrosmose filtert direkt an der Entnahmestelle ohne Regenerationssalz.

4. Chlor und chemische Desinfektion

QuelleGrund für Einsatz des Desinfektionsmittels
Bodensee-Fernwasser (BWV) Chloreinsatz zur Desinfektion auf dem langen Transportweg (ca. 160 km) — mikrobiologische Sicherheit. Chlorrückstände im Leitungswasser als Geruch oder Geschmack wahrnehmbar.
Donauried-Grundwasser (LW) Direkterer Weg — geringerer Desinfektionsbedarf

Entfernung: Aktivkohlefilter adsorbieren Chlor und Chlorverbindungen effektiv.

5. Nitrate

Nitrate gelangen vor allem über landwirtschaftliche Düngung ins Grundwasser. Stuttgart bezieht sein Trinkwasser aus zwei Quellen mit sehr unterschiedlichen Nitrat-Werten:

QuelleWertEinordnung
Bodenseewasser (BWV) ~4 mg/L Gut (Grenzwert TrinkwV: 50 mg/L)
Landeswasser Donauried (LW) ~21,6 mg/L Liegt über dem empfohlenen Richtwert für Säuglingsnahrung (10 mg/L) — Mineral- und Tafelwasserverordnung

Entfernung: Umkehrosmose oder spezielle Anionentauscher.

6. PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen)

Die BUND-Studie vom April 2024 wies in Stuttgart die fluorierte Verbindung TFA (Trifluoressigsäure) sowie den Spurenstoff Melamin nach. Die TFA-Konzentration liegt unter dem ab 2026 geltenden EU-PFAS-Grenzwert. Melamin ist keine PFAS-Verbindung. Das Bodenseewasser gehört zu den saubersten Fernwässern Deutschlands.

ParameterWertGrenzwert
PFAS (Summe) im Trinkwasser StuttgartUnter Grenzwert (laut Versorger)0,1 µg/L (PFAS-20-Summe, ab Jan. 2026) bzw. 0,5 µg/L (PFAS-Gesamtsumme, ab Jan. 2026)
Bodenseewasser PFAS-20-Summe6,1 ng/L100 ng/L — eines der saubersten Fernwässer Deutschlands
TFA (Trifluoressigsäure)Nachgewiesen (BUND 2024)Deutschland: Kein gesetzlicher Grenzwert. UBA-Orientierungswert: 60 µg/L

PFAS filtern: Viele PFAS-Verbindungen wie PFOS und PFOA können durch Umkehrosmose zu über 99% gefiltert werden. TFA (Trifluoressigsäure) ist eine Besonderheit — sie ist schwierig vollständig abzufiltern. Weder Umkehrosmose noch Aktivkohle können TFA vollständig entfernen, sind aber in der Lage, den Gehalt deutlich zu reduzieren.

7. Kriegsaltlasten — Blindgänger und Rüstungsstandorte WWII

Im Zweiten Weltkrieg wurde Stuttgart in 53 Luftangriffen bombardiert. Primärziele waren Daimler-Benz und Bosch als Rüstungsproduzenten, dazu Hirth-Motorenwerke und Karosseriewerk Reutter.

Altlasten aus Kriegsproduktion

Entfernung: TNT-Derivate und organische Schadstoffe (BTEX, PAK, Phenole) durch Aktivkohle-Adsorption und Umkehrosmose. Schwermetalle durch Umkehrosmose.

8. Schwermetalle und Bleirohre

Die Verantwortung der Wasserversorger endet an der Grundstücksgrenze. In Gebäuden, die vor 1973 errichtet wurden, können noch Bleirohre oder bleihaltige Lötstellen in der Hausinstallation vorhanden sein.

ParameterWasserwerkVerteilungsnetzHausleitungen
Blei (Pb) Unter Grenzwert (Netze BW) Teils jahrzehntealte Infrastruktur In Gebäuden vor 1973 möglich (Bleirohre, bleihaltige Lötstellen)
Kupfer (Cu) Unauffällig (Netze BW) Teils jahrzehntealte Infrastruktur Neue Kupferrohre können initial Kupfer abgeben
Eisen / Rost Unauffällig (Netze BW) Teils jahrzehntealte Infrastruktur (Grauguss, Stahl) Alte verzinkte Stahlrohre können Rost abgeben
Grenzwert Blei (aktuell)0,01 mg/l (TrinkwV)
Grenzwert Blei (ab 12. Jan. 2028)0,005 mg/l (Verschärfung TrinkwV)
Erneuerungspflicht BleirohreSeit 12. Januar 2026 verpflichtend (TrinkwV 2023)

Entfernung: Umkehrosmose (primär), Aktivkohle kann einige Schwermetalle adsorbieren.

9. Mikrobielle Belastungen

Im öffentlichen Versorgungsnetz entspricht das Stuttgarter Wasser den mikrobiologischen Anforderungen der TrinkwV. Der Chloreinsatz beim Fernwasser dient gerade dem Schutz vor mikrobiellen Belastungen auf dem langen Transportweg. In langen, alten Hausleitungen können dennoch Keime auftreten — insbesondere bei Stagnation.

Entfernung: UV-Desinfektion tötet Bakterien, Viren und Keime zuverlässig ab.

10. Schlussfolgerung für Objektentwickler

Hinweis: Dieser Bericht dient der Information. Alle Daten basieren auf offiziell veröffentlichten Quellen (Stand: Juni 2026). Trinkwasserqualität kann je nach Entnahmestelle, Stadtgebiet, Versorgungszone und Jahreszeit variieren. dirconi übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit oder Aktualität der zitierten Quellen.

Quellen

Wasserqualität in anderen Städten

→ Wasserbericht Berlin → Wasserbericht München → Wasserbericht Hamburg → Wasserbericht Frankfurt → Wasserbericht Karlsruhe → Bericht: Leitungsnetz in Deutschland