Wasserqualitätsbericht
Frankfurt am Main

Erstellt von dirconi
Für Bauträger, Projektentwickler und Eigentümer
Alle Daten basieren auf offiziell veröffentlichten Quellen

1. Zusammenfassung

Das Frankfurter Leitungswasser entspricht den gesetzlichen Anforderungen der deutschen Trinkwasserverordnung und wurde von Stiftung Warentest als Wasser bester Qualität eingestuft. Die Versorgung erfolgt durch Mainova AG und Hessenwasser GmbH aus überwiegend geschütztem Grundwasser.

Für Objektentwickler relevante Themen sind die stark variierenden Kalkwerte je nach Stadtteil, die bestätigte Chlordesinfektion sowie — insbesondere bei Sanierungsprojekten — mögliche Schwermetallspuren aus alten Hausleitungen. Die neue Trinkwasserverordnung (2023) verpflichtet Eigentümer, Bleirohre in Gebäuden, die vor 1973 errichtet wurden, bis Januar 2026 zu ersetzen.

Kernaussage für Ihr Projekt: Frankfurts Rohwasser ist gut. Zwischen Wasserwerk und Hahn durchläuft es jedoch das städtische Netzleitungsnetz — außerhalb des Einflussbereichs von Versorger und Bauträger.

2. Wasserversorgung Frankfurt

Versorger

Wasserquellen

95% des Frankfurter Trinkwassers stammt aus Grundwasser. Die Hauptquellen sind:

ParameterWert
Wasserquelle95% Grundwasser (Galerien, Brunnen, Quellen)
Wasserwerke21 Anlagen (Mainova & Hessenwasser), 192 Entnahmestellen
HauptquellenStadtwald Frankfurt, Praunheim, Hessisches Ried, Vogelsberg, Main-Kinzig-Gebiet
Jährliche Analysenca. 65.000 Untersuchungen (physikalisch-chemisch & bakteriologisch)

3. Wasserhärte

Die Wasserhärte in Frankfurt ist straßengenau verschieden, da mehrere Wasserwerke gleichzeitig ins Netz einspeisen und sich Versorgungsgebiete überschneiden. Die Spanne reicht von weich (4 °dH) im Osten bis hart (über 20 °dH) in der Innenstadt und im Westen.

Faustregel nach Stadtgebiet

Wasserhärte ausgewählter Stadtteile

StadtteilPLZHärte °dHBereich
Fechenheim60314~4 °dHweich
Bockenheim60486–60488~13–15 °dHmittel
Sachsenhausen-Nord/Süd60594–60599~13–14 °dHmittel
Heddernheim60439~14 °dHmittel
Niederursel60437~15 °dHmittel
Niederrad60528~18 °dHhart
Rödelheim60486~20 °dHhart
Innenstadt60308~20 °dHhart

Quelle: Mainova Straßenverzeichnis Wasserhärte (2019), Checknatura / Mainova-Daten

Relevanz für Objektentwickler: Die Wasserhärte variiert in Frankfurt extrem — von 4 °dH im Osten bis über 20 °dH in der Innenstadt und im Westen. Für Bauprojekte in Westend, Sachsenhausen, Nordend und Bornheim (den wichtigsten Wohnlagen) liegt die Härte zwischen 13 und 20 °dH. Kalkablagerungen an Armaturen, in Haushaltsgeräten und Leitungen sind in diesen Bereichen täglich spürbar — verkrustete Wasserkocher, Kaffeemaschinen, Duschköpfe und mineralischer Beigeschmack.

Entfernung: Umkehrosmose oder Ionentauscher. Umkehrosmose filtert direkt an der Entnahmestelle ohne Regenerationssalz.

4. Chlordesinfektion

Mainova und Hessenwasser setzen zur Desinfektion des Trinkwassers Chlor ein — offiziell bestätigt und nach TrinkwV geregelt. Die verwendeten Desinfektionsmittel sind Chlordioxid und Natriumhypochlorit.

ParameterWertGrenzwertBewertung
DesinfektionsmittelChlordioxid, NatriumhypochloritStandardpraxis
Max. Chlorgehalt (gesetzlich)0,3 mg/l0,3 mg/l (TrinkwV)Grenzwert eingehalten
Chlorrückstand am HahnNimmt durch Verteilung ab; in Wintermonaten höherGeschmack und Geruch spürbar

Dokumentiertes Ereignis: Oktober 2024

Im Oktober 2024 informierte Mainova die Bevölkerung in den Frankfurter Nordbezirken (Niederursel, Bonames, Kalbach-Riedberg und weitere) öffentlich über eine verstärkte Chlorierung des Trinkwassers. Die offizielle Mitteilung wies darauf hin, dass "Geschmacks- und Geruchsveränderungen in unterschiedlichem Ausmaß auftreten können". Das Wasser war zu diesem Zeitpunkt als Lebensmittel und zur Körperpflege uneingeschränkt verwendbar.

Quelle: Mainova AG, Pressemitteilung Oktober 2024

Entfernung: Aktivkohlefilter adsorbieren Chlor und Chlorverbindungen effektiv.

5. Nitrate

ParameterMesswert FrankfurtGrenzwert TrinkwVBewertung
Nitrat (NO₃⁻)ca. 7–10 mg/L je nach Stadtteil und Wasserwerk50 mg/lWeit unter Grenzwert — gut
Nitrit (NO₂⁻)Nicht nachgewiesen0,5 mg/lUnauffällig

Der Nitratwert von ca. 7–10 mg/L je nach Stadtteil und Wasserwerk liegt weit unterhalb des gesetzlichen Grenzwerts. Nitrat ist kein relevantes Thema für das Frankfurter Trinkwasser.

Entfernung: Umkehrosmose oder spezielle Anionentauscher.

6. PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen)

Der BUND wies 2024 in Frankfurter Leitungswasser die fluorierte Verbindung Trifluoressigsäure (TFA) sowie die Spurenstoffe Melamin und Benzotriazole nach. Hessenwasser bestätigt, dass alle Werte unter den geltenden Grenzwerten liegen. Hinweis: Melamin und Benzotriazole sind keine PFAS-Verbindungen, sondern eigenständige Spurenstoffe.

Quellen der PFAS-Belastung in Frankfurt

ParameterWertGrenzwert (EU 2026)
PFAS (Summe) im Trinkwasser FrankfurtUnter Grenzwert (Hessenwasser)0,1 µg/L (PFAS-20) bzw. 0,5 µg/L (Summe)
Kelsterbach Grundwasser (Nachbarstadt)1.305 ng/L13-fach über Grenzwert (100 ng/L)
TFA (Trifluoressigsäure)Nachgewiesen (BUND 2024)Schwierig vollständig abzufiltern

PFAS filtern: Viele PFAS-Verbindungen wie PFOS und PFOA können durch Umkehrosmose zu über 99% gefiltert werden. TFA ist eine Ausnahme — diese Verbindung ist schwierig vollständig abzufiltern, der Gehalt kann aber durch Umkehrosmose deutlich reduziert werden.

7. Kriegsaltlasten — Bomben und Rüstungsproduktion WWII

Im Zweiten Weltkrieg wurden auf Frankfurt schätzungsweise 26.000 Tonnen Bomben abgeworfen — mehr als auf jede andere deutsche Stadt außer Berlin. Der Schwerpunkt lag auf dem Industriegebiet Höchst/Griesheim, wo chemische Rüstungsbetriebe aktiv waren.

Altlasten aus Kriegsproduktion

Entfernung: TNT-Derivate und organische Schadstoffe (BTEX, PAK, Phenole) durch Aktivkohle-Adsorption und Umkehrosmose. Schwermetalle durch Umkehrosmose.

8. Schwermetalle und Bleirohre

Öffentliches Versorgungsnetz

Im öffentlichen Versorgungsnetz von Mainova und Hessenwasser liegen Blei- und Kupferwerte laut offiziellen Angaben in der Regel unter der Nachweisgrenze — die Grenzwerte der TrinkwV werden eingehalten.

Kritisch: Hausleitungen in Gebäuden vor 1973

Die Verantwortung der Wasserversorger endet an der Grundstücksgrenze. In Gebäuden, die vor 1973 errichtet wurden, können noch Bleirohre oder bleihaltige Lötstellen in der Hausinstallation vorhanden sein. Diese können Blei in das Trinkwasser abgeben, das die Leitungen durchfließt.

Rechtlicher Rahmen — TrinkwV 2023: Die novellierte Trinkwasserverordnung (in Kraft seit Juni 2023) verpflichtet Eigentümer, bestehende Bleirohre in Gebäuden bis zum 12. Januar 2026 zu ersetzen. Für Sanierungsprojekte in Frankfurt, die Bestandsgebäude aus der Vorkriegs- oder frühen Nachkriegszeit umfassen, ist dies unmittelbar relevant.

ParameterWasserwerkVerteilungsnetzHausleitungen
Blei (Pb) < Nachweisgrenze (Mainova) Teils jahrzehntealte Infrastruktur In Gebäuden vor 1973 möglich (Bleirohre, bleihaltige Lötstellen)
Kupfer (Cu) Unauffällig (Mainova) Teils jahrzehntealte Infrastruktur Neue Kupferrohre können initial Kupfer abgeben
Eisen / Rost Unauffällig (Mainova) Teils jahrzehntealte Infrastruktur (Grauguss, Stahl) Alte verzinkte Stahlrohre können Rost abgeben
Grenzwert Blei (aktuell)0,01 mg/l (TrinkwV)
Grenzwert Blei (ab 12. Jan. 2028)0,005 mg/l (Verschärfung TrinkwV)
Erneuerungspflicht BleirohreSeit 12. Januar 2026 verpflichtend (TrinkwV 2023)

Entfernung: Umkehrosmose (primär), Aktivkohle kann einige Schwermetalle adsorbieren.

Das verbleibende Risiko: städtisches Netzleitungsnetz

Auch wenn Hausleitungen erneuert werden: Das städtische Netzleitungsnetz zwischen dem Wasserwerk und der Hauswand bleibt — ein Netz, das zum Teil Jahrzehnte alt ist und dessen Materialzustand außerhalb des Einflussbereichs von Versorger, Bauträger und Eigentümer liegt.

9. Mikrobielle Belastungen

Das Frankfurter Trinkwasser wird an der Entnahmestelle (Wasserwerk) auf Keimfreiheit geprüft und entspricht den Anforderungen der TrinkwV. In langen, alten Rohrsystemen — insbesondere wenn Leitungen nicht regelmäßig durchflossen werden — können sich jedoch Keime und Bakterien ansiedeln. Dies ist ein allgemeines Thema in der Trinkwasserversorgung und nicht spezifisch für Frankfurt.

ParameterWasserwerkVerteilungsnetzHausleitungen
Coliforme Bakterien 0 KBE/100 ml (Grenzwert eingehalten) In alten Leitungen möglich (Biofilme, Stagnation) In Stagnationswasser möglich
E. coli 0 KBE/100 ml In alten Leitungen möglich (Biofilme, Stagnation) In Stagnationswasser möglich
Legionellen Kein Problem im Kaltwassernetz In alten Leitungen möglich (Biofilme, Stagnation) Relevant im Warmwassernetz (separate Vorschriften)

Entfernung: UV-Desinfektion tötet Bakterien, Viren und Keime zuverlässig ab.

10. Qualitätssicherung und Monitoring

KennzahlWert
Jährliche Einzelanalysenca. 65.000 physikalisch-chemische und bakteriologische Untersuchungen
Überwachte ParameterWeit mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen ~50 Parameter
ProbenentnahmestellenMehrere hundert im gesamten Versorgungsnetz
ZentrallaborHessenwasser-Zentrallabor Darmstadt (täglich)
Externe BewertungStiftung Warentest: "Wasser bester Qualität"

11. Schlussfolgerung für Objektentwickler

Frankfurts Trinkwasser ist offiziell gut — das ist eine Stärke, keine Einschränkung. dirconi arbeitet nicht gegen den Versorger, sondern ergänzt dessen Leistung an der letzten Schnittstelle.

Für Ihr Wohnprojekt bedeutet das konkret:

Hinweis: Dieser Bericht dient der Information und Orientierung. Alle Daten basieren auf offiziell veröffentlichten Quellen (Stand: Juni 2026). Trinkwasserqualität kann je nach Entnahmestelle, Jahreszeit und Leitungsinfrastruktur variieren. Für projektspezifische Fragen empfehlen wir die direkte Anfrage beim zuständigen Wasserversorger. dirconi übernimmt keine Haftung für die Vollständigkeit oder Aktualität der zitierten Quellen.

Quellen

Wasserqualität in anderen Städten

→ Wasserbericht Berlin → Wasserbericht München → Wasserbericht Hamburg → Wasserbericht Stuttgart → Wasserbericht Karlsruhe → Bericht: Leitungsnetz in Deutschland